Boris Vian

Verehrte Leserinnen und Leser,

gerne möchte ich Ihnen hier den französischen Schriftsteller Boris Vian vorstellen. Ich dachte mir, ein paar von meinen Lieblingen könnten auch nicht schaden.

boris vian
Boris Vian

Wer war Boris Vian? Zweifelsohne war er ein überaus fleissiger und sehr talentierter junger Mann!

Neben seinem „Hauptberuf“ als Ingenieur bei der französischen Normbehörde war er als Schriftsteller, Jazztrompeter, Chansonnier, Schauspieler, Übersetzer, wesentliches Mitglied des Collège de ’Pataphysique und als Leiter der Jazzplattenabteilung bei Philips tätig. Wow!

Ich persönlich bin bereits im Jahre 1980 mit meiner Punkband Dirge, mit denen ich auch sogenannte „kulinarische Wochenenden“ verbrachte, auf diesen Ausnahmekünstler aufmerksam geworden. Hauptsächlich durch die Veröffentlichung der Werksausgaben des damals in Deutschland völlig Unbekannten beim Verlag Zweitausendeins, der schon 1979 die Werksausgabe herausbrachte.

Neugierig verschlang ich seine Biographie und ich konnte den langersehnten Tag des Verkaufes, der Erscheinen des Neudrucks entgegenfiebern. Das Werk Vians wurde in 2 Pakete unterteilt: das Sex- und Crime Paket und das Literaturpaket und später noch ergänzt. Für die Gestaltung konnte man den New Yorker Art Spiegelmann gewinnen.

Zur Person von Boris Vian

Boris Vian
Boris Vian

In frühen Jahren verbrachte er seine Kindheit im Pariser Villenvorort Ville-d’Avray als jüngerer Sohn von Paul Vian, einem wohlhabenden Bürger, der vorgeblich Bronzefabrikant war, sein Vermögen in Wirklichkeit jedoch mit Goldgeschäften verdiente. Damals besuchte er auch zahlreiche Schulen.

Während der Weltwirtschaftskrise in den 30ern musste die Familie in das Gärtnerhaus des Anwesens umziehen. Die Villa wurde von den Eltern des späteren Violinvirtuosen Yehudi Menuhin gemietet, der so zu Vians Spielkamerad wurde. Vian seinerseits lernte Trompete spielen.

Anfang Juni 1940 flüchteten die Vians vor dem „blitz allemand“ in ihr Ferienhaus an der Atlantikküste, wo auch andere betuchte Pariser Familien Zuflucht gesucht hatten. Die Jugend vergnügte sich auf Partys und Boris begann zu schreiben.

Im Jahre 1942 beendete er sein Studium mit einem Diplom im halbwegs funktionierendem deutsch besetzten Paris und trat seine Arbeit bei der Normierung an.

Die oftmals eintönige Arbeit gab ihm die Inspiriration und Ruhe für seine Bücher, nicht zuletzt für seinen großartigen Humor. Wer würde schon auf die Idee zu kommen, Überraschungspartys zu Normen? (Drehwurm, Swing und Plankton).

Sein Vater Paul wurde 1944 von Einbrechern ermordet.

Die Bücher von Boris Vian

Der Roman „Der Schaum der Tage“ und sein sonstiges literarisches Werk.

1946 erschien, zuerst nicht beachtet, sein größter Erfolg, der Roman Der Schaum der Tage, im orginal L’Écume des jours. Das Buch ist eine surrealistisch verfremdete, elegisch-tragische Liebesgeschichte die vor Freude sprühend und lebensfroh beginnt, dann aber, bedingt durch eine Krankheit, trostlos und verzweifelt endet. Die Freude am Spiel mit Worten und Bildern die einem aus diesem Buch entgegenschlägt ist beeindruckend, allein Leser die nach einem heiteren Liebesroman mit Happy End suchen seien gewarnt.

Das Buch bekommt in den 70er und 80er Jahren Kultstatus.

Insbesondere durch den Skandal, der unter dem Pseudonym „Vernon Sullivan“ erschienenden Roman Ich werde auf eure Gräber spucken, (org, J’irai cracher sur vos tombe) wurde er schlagartig bekannt.

Es handelte sich dabei um die angebliche Übersetzung eines Sex-and-Crime-Romans eines erfundenen afro-amerikanischen Autors. Sie schadete, rückwirkend Betrachtet, seiner Karriere mehr, als das sie half.

Es folgten noch drei weitere Titel unter dem Namen „Vernon Sullivan„, denen jedoch auch der kommerzielle Erfolg fehlte.

Weiteres Wirken

Die weiteren Bücher von ihm brachten auch nicht den gewünschten Durchbruch. Es handelt sich dabei um die Werke Herbst in Peking von 1946, Das rote Gras von 1950 und schließlich Der Herzausreißer von 1954.

Seine Erzählungen hatten auf längere Sicht auch keinen Erfolg, vermutlich weil sie keinen klassischen Handlungsverlauf aufwiesen Außerdem waren sie mit Wortspielereien und sonstigen Gags überladen. Anfang der 50er Jahre gibt er das Schreiben von Romanen auf.

Seine Ehe mit seiner Frau Michelle Léglise wurde durch die Affäre mit Jean-Paul Satre überschattet. Schließlich gab er nach und die Ehe wurde 1952 geschieden. Er war dannach mit Ursula Kübler zusammen, sie heiraten 1954.

Bereits 1948 verbot ihm sein Arzt, die Trompete zu spielen, ein Verbot, das er kaum beachtete. Er starb viel zu früh im Jahre 1958 an einem Lungenödem.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.