Die Schantung-Bahn

Siegel der Schantung-Bahn
Siegel der Schantung – Eisenbahn – Gesellschaft

Anfang 1900 gegründet sollte das Unternehmen Schantung-Bahn, das offiziell Schantung – Eisenbahn – Gesellschaft hiess, den Abtransport von Eisenerz und Kohle ins deutsche Kaiserreich sichern. Es wurde 1899 die Schantung-Eisenbahn und die Schantung-Bergbau-Gesellschaft gegründet, letztere war die kommerzielle Ausbeutung der Minen zuständig.

Für die deutsche Regierung wie auch für Teile der beteiligten deutschen Wirtschaft hatten daher Bau und Betrieb von Eisenbahnen und Bergwerken in der Provinz Shandong absolute Priorität vor allen anderen kolonialen Aufgaben.

Aus diesem Grund war die möglichst umfassende Förderung und politische Absicherung des Eisenbahnbaus und der Bergwerksunternehmen ein zentrales Anliegen des Gouvernements und der damit befaßten staatlichen Stellen in Berlin wie Auswärtiges Amt und Reichsmarineamt.

Die Schantung-Bahn Gesellschaft

Der Hauptsitz der Gesellschaft wurde nach Tsingtau gelegt. Erstens ist Fangtse zu klein und relativ unwichtig, zweitens ist Qingdao wie ein Stern, der alles überstrahlt und die Blicke auf sich zieht.

Fangtse war aber Zweifelsohne das Zentrum der deutschen Bemühungen, was den Bergbau betraf. Der Korrridor von 50km durch das Kiautschau-Gebiet war nie nützlicher für das deutsche Reich, befanden sich die meissten Erz- und Kohlevorkommen in diesem Bereich. Die Vorkommen waren meist von hoher Güte.

Infrastruktur wird errichtet

Fangtse - Schantung-Bahn
Fangtse

Die große politisch-ökonomische Bedeutung der Schantung-Bahn und Bergbau wurde auch von der chinesischen Regierung und der chinesischen Wirtschaft gesehen.

Versuche zur Rückgewinnung der verlorenen Rechte und damit zur Wiedererlangung der politischen Kontrolle über die wirtschaftliche Entwicklung Schantungs standen daher ab 1900 im Mittelpunkt der chinesischen Politik gegenüber Kiautschou.

Beim Bau der Schantung-Bahn ging man noch rigoros vor. Wenig Geld wurde zB. für das Land gezahlt; Arbeiter und Bauern wurden schlecht behandelt, es wurde beim Bau der Trasse das Feng Shui der Gegend in sträflicher Weise missachtet und sogar über Friedhöfe gebautl So haben sich die Deutschen keine Freude gemacht.

Rigoroses Vorgehen schaft keine Freunde

Tsingtao–Tsinan

Das einseitige deutsche Vorgehen spielt eine wichtige Rolle für das Entstehen des vehementen Widerstands der chinesischen Bevölkerung und von Teilen der Administration in den Jahren 1899 und 1900 gegen den Bau der Eisenbahn.

Der chinesische Protest begann mit den ersten Vermessungsarbeiten im Juni 1899 und setzte sich bis Dezember 1900 fort.

Für den Widerstand, der sowohl von den chinesischen Bauern als auch von den Gelehrten und Grundbesitzern getragen wurde, gab es jeweils sehr konkrete Ursachen, die keineswegs in den Bereich irrationaler, anti-modernistischer Vorbehalte zu verweisen sind (wie etwa, daß die Eisenbahn die Ruhe der Ahnen störe).

Der Frieden

Kohlebergwerk der Schantung-Bergbau-Gesellschaft Weihsien (Weixian): Annie-Schacht, um 1908

Sammlung: DHM, Berlin

Nach langen Verhandlungen über einzelne Bestimmungen wurden am 27. März 1900 mit der Bergbau-Regulative und der Eisenbahn-Regulative zwei privatrechtliche Abkommen zwischen den deutschen Unternehmen und dem chinesischen Staat geschlossen.

Gleichwohl waren die Kolonialherren auf die Arbeitskraft der Chinesen angewiesen, immer mehr kamen nach Tsingtau. Im Jahr 1913 lebten etwa 187.000 Chinesen im „Schutzgebiet“ – gegenüber 1855 deutschen Zivilisten und 2400 Soldaten sowie einigen Angehörigen anderer westlicher Nationen. Der Handel von Tsingtau geriet zunehmend unter die Kontrolle chinesischer Kaufleute.

1898 wurde eine deutsche Postagentur eingerichtet. 1899 bestand eine 14-tägliche Postdampferverbindung nach Shanghai.

Tsingtao–Tsinan

1914 zählte die Hauptstadt der Kolonie, das ehemalige Fischerdorf Tsingtao, über 60.000 Einwohner, verfügte über einen Naturhafen, Trinkwasseranlagen und die Brauerei Tsingtao. 1909 wurde die Deutsch-Chinesische Hochschule gegründet. Die Stadt war an das Telegraphen- und Eisenbahnnetz angeschlossen. Seit Fertigstellung der Eisenbahnlinie Tsingtao–Tsinan 1904 war Kiautschou über die Transsibirische Eisenbahn von Deutschland aus zu erreichen; die Reisezeit betrug circa 13 Tage.

In weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit waren große Erwartungen an den Erwerb Kiautschous geknüpft worden. Sie reichten von der Öffnung des riesigen chinesischen Marktes für den deutschen Handel über die maritime Weltgeltung bis hin zur Entstehung eines glanzvollen Kolonialreiches. In der Realität konnten diese Erwartungen in der kurzen Zeit des Bestehens der Kolonie von 1898 bis 1914 nicht erfüllt werden. Kiautschou selbst erwies sich sehr schnell als ein finanzielles Fass ohne Boden: In den ersten zehn Jahren nach 1897 beliefen sich die Reichszuschüsse auf 100 Millionen Reichsmark, die Einnahmen erreichten nicht einmal ein Zehntel


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